Ausstellungen Österreich

Mahlzeit: Wiener Dom Museum beleuchtet alle Facetten des Essens

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Von der ersten Mahlzeit an der Mutterbrust bis zum letzten Abendmahl an der langen Tafel: Unter dem Titel "Mahlzeit" widmet sich das Dom Museum Wien dem Topos des Essens in der bildenden Kunst. Das Spektrum reicht dabei von frommen Tischgesellschaften auf Gemälden des 17. Jahrhunderts bis zu einer gekühlten Margarine-Skulptur, die die deutsche Künstlerin Sonja Alhäuser eigens für die Ausstellung geschaffen hat.

Sinnliche Thematik

"Es war unser Wunsch, nach den harten Jahren der Corona-Krise ein sehr sinnliches Thema aufzugreifen", erläuterte Direktorin Johanna Schwanberg am Mittwoch bei der Presseführung. "Nun ist es aber ernster geworden, als gedacht", spielte sie auf Themen wie die aktuell drohende Lebensmittelknappheit aufgrund des Krieges in der Ukraine an. Auch sonst erzählten die gezeigten Werke auch sehr viel über die Rolle des Essens in der Gesellschaft - "vom Gemeinschaftsbildenden bis zum Ausschluss, von Machtverhältnissen und Ungleichheiten bis zur Klimafrage", so Schwanberg.

Auch sei der Wert, den gemeinsame Mahlzeiten durch die Pandemie gewonnen hätten, stärker ins Bewusstsein gerückt. Die Ausstellung, die in fünf Themenbereiche von "Erstes und letztes Mahl" über "Alleinsein und Selbstreflexion" bis hin zu "Politik auf dem Teller" gegliedert ist, mischt wie gewohnt sakrale, klassische und zeitgenössische Arbeiten bunt durcheinander und bildet ästhetische Achsen auf anschauliche Weise ab.

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Politischer Aspekt der Nahrungsaufnahme

Wie politisch das Thema Nahrungsaufnahme und -zubereitung aufgeladen ist, verdeutlichen etwa Arbeiten großer Künstlerinnen wie Marina Abramovic mit einem Selbstporträt aus der "Kitchen"-Serie oder Maria Lassnig, deren "Selbstporträt mit Kochtopf" den "Mental Load" vieler Frauen auf Leinwand bannt. Daneben findet sich ein Ölgemälde aus dem 18. Jahrhundert eines unbekannten Künstlers, der eine "Alte Frau in der Küche" malte, die aber lediglich ganz am Bildrand im Hintergrund beim Abwaschen zu sehen ist, während die aufgeräumte Küche selbst im Zentrum zu stehen scheint. Das Motiv des Kochtopfs findet sich in unmittelbarer Nachbarschaft in einer wandfüllenden Skulptur von Maha Malluh wieder, die aus benützten Aluminium-Kochtöpfen aus Saudi Arabien besteht, die nun ihrer Bestimmung entrissen als Kunstwerk dienen.

Wie unterschiedlich Tischgesellschaften im Laufe der Zeit (und in unterschiedlichen sozialen Kontexten) aussehen, zeigen Arbeiten wie die Fotoserie "Weeknight Dinners" von Lois Bielefeld, in der das Essen auf dem Boden, das Speisen einer bürgerlichen Großfamilie am reich gedeckten Tisch oder das kärgliche Abendessen einer Alleinerziehenden dokumentiert werden. Einen Kontrast dazu bildet Geldorp Gortzius' "Familie beim Tischgebet" aus dem Jahr 1602, in dem das Ritual des Essens religiös aufgeladen im Zentrum steht.

Marzipan oder Hasenköttel?

Das Kapitel "Sinneslust und Vergänglichkeit" legt unterdessen den Fokus auf das Stillleben. Die gezeigten Werke ähneln sich dabei nur auf den ersten Blick: So steht etwa ein Prunkstillleben von Abraham van Beyeren aus den 1660er-Jahren neben der Videoarbeit "Still Life & Death with Fruits and Mice": In der Videoschleife von Stephane Soulie verrottet die Nahrung eines reich gedeckten Tisches im Zeitraffer.

Wer bei so viel Essen Hunger bekommt, findet auch ein Werk, das verspeist werden kann: Sonja Alhäuser hat in der Raummitte einen "Hasentisch" aufgestellt: Darauf drapiert sind aus Schokolade und Marzipan gefertigte Kötteln des auf den Zeichnungen über den Tisch huschenden Hasen - zur freien Entnahme.