Was ist los in Wien

"You filthy perverts": John Waters begeisterte im Gartenbaukino

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John Waters ist ein Gesamtkunstwerk. Der Regisseur von Kult-Streifen wie "Pink Flamingos""Hairspray" oder "Cry-Baby" testet seit mehr als 50 Jahren aus, mit wie viel Subversion er "davonkommt" – meistens im schicken Anzug, viel Charme und immer mit schmalem Oberlippenbärtchen.

 

Live-Programm im Gartenbaukino

Tabus gibt es für den 77-Jährigen de facto nicht, da man "über alles scherzen darf und auch sollte" – seine Fans feiern ihn fast wie einen Propheten. So gestaltete sich das Live-Programm am Montag im Wiener Gartenbaukino ebenfalls als nahezu eingespielte Partie. Das Publikum klatschte ob Waters' einstündigem (beeindruckendem) Monolog lautstark Beifall, lachte bei fast jeder Pointe und "Schrecklichkeit", huldigte den Inhalten, die der interdisziplinäre Künstler zu vermitteln hatte.

Waters bot an diesem Abend einen bewegenden wie hochkomischen Monolog über Verzweiflung, Krankheit (Covid) und dem Abfinden damit, dass die Welt eines Tages eben enden wird. Er definierte Harry Styles als den "wohl letzten Popstar unserer Erde" und verortete, dass es bald nicht mehr wichtig sein würde, was wir tragen, weil es "Mode dann sowieso nicht mehr geben wird".  Außerdem verriet der 77-Jährige die eine oder andere Weisheit, wie man das Filmgeschäft neu erfinden und Dummheit "auf intellektuelle Weise" akzeptieren könne. Nicht nur einmal fiel der Name Donald Trump, die humoristische Kritik über den Ex-US-Präsidenten wurde stets mit Beifall beantwortet.

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Humor und politische Korrektheit

Was John Waters' Filme bereits auszeichnete, wurde ebenfalls im fast voll besetzten Gartenbaukino durchgespielt: Humor der Extraklasse mit vielen politischen Gratwanderungen, die sich auf gut Österreichisch aber immer "ausgingen" – vorausgesetzt natürlich, man bewies selbst einen ähnlichen Sinn für Unterhaltung. Beziehungsweise versteht es, die eigene Wokeness selbstreflektiert zu betrachten. Waters bleibt am Ende des Tages doch politisch korrekt und so smart, dass niemand wirklich böse auf ihn sein kann.

Beeindruckend war auch, dass sein Spoken-Word-Programm scheinbar so perfekt saß, dass er es in einem erstaunlich schnellen Tempo vortragen konnte. Vor allem aufmerksame Zuhörer:innen profitierten davon. Dennoch war es vom Vorteil, das Oevre von John Waters schon zu kennen, die Personen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben. Viele persönliche Geschichten und pointierte Referenzen wurden gesetzt. Das Wiener Publikum zeigte jedoch Kenner:innenwissen und schien immer genau zu wissen, wovon und von wem Waters zu jeder Zeit sprach.

"Don't judge people"

Das absolute Highlight war aber der zweite Teil der Show, bei dem der "Pope of Trash" persönliche Fragen aus dem Publikum beantwortete. So äußerte er sich über die Verwendung von A.I. (er verstehe nichts von Technik), über seinen Slogan für seine potenzielle Präsidentschaftskandidatur ("Don't judge people") und darüber, wie sein Verhältnis in den 70er-Jahren zu Andy Warhol war – zu dem Zeitpunkt erholte sich Warhol gerade von einer Schussattacke, das Letzte, was er also laut Waters brauchte, waren noch mehr "Freaks", die ihn in Gefahr brachten.

Beeindruckte Fans beschenkten Waters sogar während seines "Q&A's" und ließen es sich nicht nehmen, ihre Hände nach ihm auszustrecken. Vielleicht etwas zögerlich (Covid?), aber erfreut stellte Waters den gewünschten Körperkontakt sogar her.

Schlussendlich gab es stehende Ovationen für den Amerikaner, der Wien und sogar die Austrian Airlines in sein Programm eingebunden hatte. Er zeigte sich begeistert, dass man ihn auch in Österreich so gut kennt und bezeichnete die Zuschauer:innen zum Abschluss noch liebevoll als "filthy perverts". Tosender Applaus. Der Abend mit John Waters im Gartenbaukino wird für die Fans bestimmt noch länger nachhallen – genauso, wie es auch seine Filme tun.