Was ist los in Wien

Debatte um Jahresprogramm 2023: Kunsthalle Wien bleibt auf Kurs

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Man verstehe nicht, welchen Kriterien man mit der Bewerbung um Vertragsverlängerung über Mitte 2024 hinaus nicht entsprochen habe, sagte Ivet Ćurlin vom Leitungskollektiv "What, How & for Whom" (WHW) heute bei der Vorstellung des Jahresprogramms 2023 auf Nachfrage der APA. Man habe weiterhin keine klare Begründung erhalten, warum das eingereichte Programm zurückgewiesen wurde.

Im Dezember war bekanntgegeben worden, das alle nach einer Ausschreibung eingelangten 20 Bewerbungen nach Ansicht einer Jury "nicht den Kriterien entsprachen". Mit einer Neuausschreibung solle "ein neues Kapitel" aufgeschlagen werden. Intern wurde den jetzigen Leiterinnen signalisiert, dass eine modifizierte WHW-Einreichung chancenlos wäre. Aus Protest gegen diese "Abwahl" legte Aufsichtsrat Boris Marte sein Mandat zurück, auch die Akademie der Bildenden Künste und die Secession kritisierten Entscheidung und Vorgangsweise öffentlich. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) argumentierte kürzlich im "KulturMontag" des ORF, dass sich die Voraussetzungen geändert hätten. Nun gelte es, verstärktes Augenmerk auf die Rückgewinnung des in der Pandemie-Zeit verlorenen Publikums zu richten.

 

Im heute vorgelegten Jahresbericht für 2022 werden zwar die Zahlen für Ausstellungen (11), dabei gezeigte Werke (231) und Künstler*innen (91), Führungen (176), Veranstaltungen (97), Workshops (49) und Podcast-Folgen (33), nicht aber jene der Besucherinnen und Besucher angeführt. Auf Nachfrage sagte Co-Leiterin Nataša Ilić, die offiziellen Besucherzahlen würden erst im März bekanntgegeben, vorläufige Zahlen zeigten jedoch, dass man steigendes Besucherinteresse verzeichne und nahe am letzten Vor-Pandemie-Jahr 2019 landen werde. "Wir denken, das ist ein ziemlicher Erfolg. Bei digitalen Besuchern haben wir deutlich mehr als früher." Konkret dürfte man 2022 mit rund 57.600 Besucherinnen und Besuchern vor Ort und rund 46.000 im digitalen Bereich abschneiden. 2019 waren 73.150 Ausstellungsbesucher gezählt worden. Unter dem früheren Leiter Nicolaus Schafhausen waren 2017 rund 77.000, 2018 etwas über 70.000 Eintritte gezählt worden, wobei damals die hohe Anzahl der Gratis-Tickets kritisiert wurde. Eine Entscheidung über die künftige Leitung ab Mitte 2024 soll voraussichtlich im kommenden März fallen.

Es sei noch nicht das letzte Programm, das man vorlege, betonte Ćurlin. "Auch im Jahr 2023 ist das grundlegende Prinzip unserer Arbeit die Auseinandersetzung mit dem Jetzt, mit der Komplexität des gegenwärtigen sozialen und politischen Moments und dem, was uns unmittelbar umgibt", beginnt ein programmatisches "kuratorisches Statement", das dem präsentierten Jahresprogramm vorangeht. Man verstehe sich als "eine Institution von und für alle Einwohner*innen Wiens und wir wollen der Vielfalt der Stimmen in der Stadt zuhören und ihnen Raum geben". In der Zusammenarbeit "mit lokalen und internationalen Künstler*innen" wolle man "Impulse für ästhetische wie auch ideologische Debatten im Bereich der zeitgenössischen Kunst setzen und dabei Unterhaltsames und Sinnliches nicht scheuen".

Die erste neue Ausstellung ist ab 20. April die internationale Gruppenausstellung "No Feeling is Final. The Skopje Solidarity Collection", in der Kontext und Entstehungsgeschichte der nach einem schweren Erdbeben 1963 neu gegründeten Sammlung des Museums für zeitgenössische Kunst Skopje im Zentrum stehen. Dabei wird Geschichte und Gegenwart Skopjes ebenso thematisiert wie die herkömmliche moderne westliche Kunstgeschichte. Mit dabei sind die Fotografin Elfie Semotan und die Autorin Barbi Markovic. Gemeinsam mit den Wiener Festwochen wird eine Einzelausstellung der französischen Turner-Preisträgerin von 2013, Laure Prouvost, vorbereitet. Im Zentrum ihrer raumgreifenden Installation werde die Figur der Großmutter stehen, schilderte Kuratorin Carolina Nöbauer.

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Nach "Unfreezing the Scene", in der ab 25. Mai am Karlsplatz nicht nur die Gewinner des Preises der Kunsthalle Wien 2022 präsentiert werden, und einem von der Kunsthalle Wien koproduzierten Film von Denise Ferreira da Silva und Arjuna Neuman folgt im Museumsquartier ab 9. November eine internationale Gruppenausstellung unter dem Arbeitstitel "Darker, Lighter, Puffy, Flat". "Es wird um Brüste gehen", kündigte Kuratorin Laura Amann an. Zu sehen ist eine Auseinandersetzung mit Brüsten aus unterschiedlichsten Positionen - von der Kunstgeschichte bis zur Erotik, als Objekt der Schönheit und der Zensur, als Symbol für Mutterschaft wie für politische Anliegen. "Auch Männerbrüste werden wir nicht vergessen", sagte Amann.

Auch ein neues Format gibt es: Die regelmäßig stattfindende Gesprächsreihe "Question of Art" soll sich "dem öffentlichen Austausch über die wichtigsten Fragen der zeitgenössischen Kunst" widmen. Gestartet wurde damit schon am 5. November 2022 im Rahmen der Feiern zum 30-Jahr-Jubiläum der Kunsthalle Wien. Damals wurde über künstlerische Freiheit und die Autonomie der Kunst diskutiert. Heute angekündigt wurde, dass man sich in diesem Rahmen auch "gemeinsam über die Zukunft der Kunst und institutionelle Verantwortlichkeiten" nachdenken wolle. Gerade die laufende Neuausschreibung der Kunsthalle Wien zeigt: ein aktuelles Thema.