Martina Schwarzmann

© südpolentertainment

Kabarett Österreich

Martina Schwarzmann: "Relatable" Kabarett aus Bayern

Hemdkauf mit Kindern, die vielen Gefühle nach einem Familienfest, eine Ode an die Spülmaschine: Wem der Alltag zu langweilig und banal erscheint, um damit ein Kabarettprogramm zu füllen, kennt Martina Schwarzmanns Repertoire nicht. Insgesamt sieben Programme hat die gebürtige Oberbayerin bereits auf die Bühne gebracht, in denen sie ihre persönlichen Erfahrungen mit Hof, Hund und Kind musikalisch und humoristisch verarbeitet. Mit ihrer aktuellen “ganz einfach”-Tour ist Schwarzmann auch in Österreich unterwegs.

Wo sie auch hinkommt: Meist bleiben nur wenige Restkarten zum Verkauf übrig (wenn überhaupt), so gut kommt ihr kabarettistischer Stil bei den Zuseher:innen an, auch hierzulande. Doch was macht die einstige Quereinsteigerin zu so einem Publikumsliebling?

Bodenständigkeit als Applaus-Garant

Das (englische) Zauberwort lautet wohl: Relatability. Es beschreibt das Phänomen der Nachvollziehbarkeit, selbst wenn kein persönlicher Kontakt zwischen zwei Menschen besteht. Oft wird der Begriff in Hinsicht auf Influencer:innen in den sozialen Medien verwendet. Ein bekanntes Beispiel ist (Ex)-YouTuberin Emma Chamberlain, die einst für ihre authentisch-chaotischen Videos im Jugendzimmer gefeiert wurde. Das Publikum hatte das Gefühl, Emma sei "wie sie selbst". Umso größer war der Unmut, als durch die wachsende Bekanntheit eine klaffende Lebenswelt-Lücke zwischen der YouTuberin und ihren Fans auftat.

Martina Schwarzmann ist das genaue Gegenteil von Chamberlain – zumindest wirkt es so. Die Kabarettistin hat so ziemlich jeden Kleinkunstpreis gewonnen und spielt in ausverkauften Hallen. Sprich: Schwarzmann ist eine durch und durch erfolgreiche Künstlerin. Und trotzdem umgibt sie dieser wohltuende Hauch von "Normalität". Wenn sie von ihrem Alltag mit vier Kindern berichtet, vom Thermomix der Großeltern oder vom Zumbatrainer-Schwarm der Cousine, driftet man in Gedanken ganz schnell in das eigene soziale Umfeld ab – und kann sich darin wiederfinden.

Martina Schwarzmann: Vom Klassenclown zur Kleinkünstlerin

Egal, ob aus der Stadt oder vom Land: Was Schwarzmann auch beschreibt – wer kennt es nicht? Wobei Landkinder schon einen kleinen Heimvorteil haben, zumal die Kabarettistin nicht nur am Bauernhof aufgewachsen ist, sondern immer noch auf einem lebt. Dieser liefere ihr den nötigen Raum, ihre Ideen zu entwickeln, verriet die Kabarettistin in einem Interview. Besonders "am Acker" würde ihr vieles einfallen, das sie sogleich in einem kleinen Notizbuch notiert.

Und das macht die humorbegabte Bayerin nicht erst seit gestern: Bereits mit zwölf Jahren schrieb Schwarzmann laut eigenen Angaben ihr erstes Gedicht, bezeichnete sich selbst als "Klassenclown". Trotzdem führte ihr Weg sie nicht geradewegs auf die Bühne. Nach ihrem Hauptschulabschluss verfolgte Schwarzmann den Lehrberuf der Köchin, in dem sie zunächst acht Jahre verblieb. Vor ihrem Durchbruch und ersten TV-Auftritt in "Ottis Schlachthof" anno 2004 stand sie immer wieder mit ihrer Gitarre in Bierzelten und auf Dorfplätzen, lernte mit Publikum umzugehen. Beides sehr fordernde und fördernde Situationen, erinnert sich die Bayerin zurück. 

Unpolitisches Kabarett

Dass Schwarzmann also ein besonderes Feingefühl dafür entwickelt hat, welche Themen das Interesse ihres durchaus gemischten Publikums weckt, ist nicht verwunderlich. Ihr aktuelles Programm "Ganz einfach" etwa behandelt die scheinbar simplen, aber auch ganz schön komplizierten Seiten ihres Lebens – schließlich ist die Kabarettistin vierfache Mutter und möchte manchmal am Waschtag einfach die hartnäckigen Flecken mit der Schere entfernen oder die Zeitung schnell wieder zuklappen, wenn nichts Schönes drinsteht. 

Was ihre Bühnenfigur ausmacht, sind neben der sympathischen Bodenständigkeit wohl auch ihre bewusst unpolitischen Inhalte. Im Privatleben mag die Künstlerin vielleicht durchaus politische Sichtweisen kundtun, auf der Bühne jedoch unterlässt sie dies. Und das macht ihre Programme wohl so zugänglich, sodass man sich getrost mit politisch anders gepolten Freund:innen ins Publikum setzen kann. Am Ende muss sich niemand streiten – außer vielleicht darüber, ob der Thermomix eine gute oder unnötige Anschaffung ist.

Alle kommenden Österreich-Termine von Martina Schwarzmann gibt es hier im Überblick.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Kommentare