© Matthias Horn

Theater

Der Sturm

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Shakespeares vermutlich letztes Theaterstück ist kein weises Alterswerk, sondern ein Drama der Umstürze: Prospero, der frühere Herzog von Mailand wurde von seinem Bruder Antonio gestürzt und mit seiner Tochter Miranda auf einem Boot ausgesetzt.

Auf der Insel, an deren Ufer die beiden strandeten, übernahm er rasch die Herrschaft. Da nun sein Bruder mit Alonso, dem König von Neapel, und dessen Bruder Sebastian in der Nähe vorübersegeln, entfacht Prospero einen Sturm und lässt das Schiff vor der Insel kentern. Unter den Gestrandeten planen Antonio und Sebastian einen tödlichen Anschlag auf Alonso, um nach ihrer Rückkehr die Herrschaft über Neapel an sich zu reißen. Unterdessen verbündet sich einer der beiden ursprünglichen Einwohner der Insel, der von Prospero versklavte Caliban, mit zwei betrunkenen Bootsleuten zu einer Revolte gegen den Inselherrscher. Kein Wunder also, dass die gesellschaftliche Utopie, die der alte Berater des Königs entwirft, nur einer einzigen Regel gehorcht: „I would by contraries execute all things“, „Ich wirkte im gemeinen Wesen alles durch das Gegenteil“, oder knapper (in der Übersetzung von Erich Fried): „Ich wollt‘ im Lande alles anders machen.“

Gleichzeitig ist die märchenhafte Insel des STURM auch ein abgeschiedener Ort und Mikrokosmos, an dem die Umstürze eher durchgespielt und reflektiert als tatsächlich blutig exekutiert werden. Insofern spielt Shakespeares Stück auf einer „Insel des Nachdenkens“ (Thorleifur Örn Arnarsson) – und damit an einem unschätzbaren Ort.