© Heidi Harsieber

Kunstausstellung

Heidi Harsieber - Und immer warten sie

Showtimes

12:00 - 14:00
Fotogalerie Wien
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Dienstag und Freitag 14–19 Uhr
Mittwoch und Donnerstag 12–19 Uhr
Samstag 10–14 Uhr, an Feiertagen  geschlossen.

 

Werkschau XXVI ist die Fortsetzung der seit 26 Jahren jährlich stattfindenden Ausstellungsreihe der Fotogalerie Wien, in der zeitgenössische KünstlerInnen präsentiert werden, die wesentlich zur Entwicklung der künstlerischen Fotografie und neuen Medien in Österreich beigetragen haben.

Gezeigt wurde bisher ein Querschnitt durch dasSchaffen von Jana Wisniewski, Manfred Willmann, Valie Export, Leo Kandl, Elfriede Mejchar, Heinz Cibulka, Renate Bertlmann, Josef Wais, Horáková + Maurer, Gottfried Bechtold, Friedl Kubelka, Branko Lenart, INTAKT – Die Pionierinnen (Renate Bertlmann, Moucle Blackout, Linda Christanell, Lotte Hendrich-Hassmann, Karin Mack, Margot Pilz, Jana Wisniewski), Inge Dick, Lisl Ponger, Hans Kupelwieser, Robert Zahornicky, Ingeborg Strobl, Michael Mauracher, PRINZGAU/podgorschek, Maria Hahnenkamp, Robert F. Hammerstiel, Sabine Bitter & Helmut Weber, Michaela Moscouw und Günther Selichar. Wir freuen uns, in der diesjährigen WERKSCHAU die Arbeiten von Heidi Harsieber präsentieren zu können.

Die Fotografin Heidi Harsieber hat ein Auge für das „Unpassende“ in einer vordergründig geordneten Welt. Sie bemerkt es und hält es mit dem Auge ihrer Kamera fest. Oft muss man mehrmals hinschauen, um das Beunruhigende in ihren Arbeiten präzise ausmachen zu können. Doch schon ein kurzer Blick kann innerhalb von Sekundenbruchteilen die Empfindung von Unbehagen auslösen. Etwas Rätselhaftes, Erschreckendes, Grausames dringt in eine Szenerie ein, dort, wo man sich eigentlich sicher fühlen sollte. Heidi Harsiebers fotografisches Universum bevölkern Körper und Körperteile. Die Künstlerin nähert sich ihren Motiven manchmal wie ein*e Modefotograf*in, sie inszeniert ein Kleid, einen Strumpf, lange Haare. Und doch: Immer ist da auch etwas Zweideutiges, das dem/der Betrachter*in etwas abverlangt. Man muss sich darauf einlassen.

Alter, Einsamkeit, Krankheit, innere und äußere Versehrtheit, Sex und Gender, das ungewisse Schweben alleingelassener Körper zwischen Tod und Leben, ein Gefühl des Verlorenseins: Mit diesen Themen konfrontiert uns Heidi Harsieber eindringlich, ohne Gnade und ohne Tabus. Einfach ist es nicht, sich mit diesen Bildern und somit immer auch mit sich selbst auseinanderzusetzen. Vom Thema „Tod“ gelangt man rasch zum Thema „Sex“. Körperlichkeit und Erotik tauchen bei Heidi Harsieber in zahlreichen Variationen auf. Es können rote Strümpfe an einem ansonsten nackten Frauenkörper sein. Noch augenfälliger: Zwei weiß bestrumpfte Beine in High Heels. Der restliche Körper muss vom Auge ergänzt werden. Und dann erst sieht man es: Das linke Bein ist einbandagiert, mit weißen Mullbinden. Nicht immer ist Sexualität in Heidi Harsiebers Werk positiv beleuchtet. Eher kommen einem gefährliche Situationen in den Sinn: Ungewolltes, Unüberlegtes, Überraschendes, das so nicht gewünscht wurde. Fleischbeschau, im echten und im übertragenen Sinn. Im Mittelpunkt eines Fototriptychons eine madonnenhaft wirkende Frau, jung, rundlich. Mit bloßen Brüsten. Rund um sie herum männliche Gliedmaßen, tätowiert, stark, besitzergreifend. Gesichtslos. Die Frau schließt die Augen. Wie viele Menschen sind dabei? Was wird passieren?

Zu Beginn ihrer Karriere war Heidi Harsieber die jüngste Profifotografin Österreichs. Sie arbeitete hauptsächlich für die Mode- und Geschirrbranche. Schon lange ist nun der Mensch und sein Körper(bild) das vorrangige Thema der arrivierten Fotokünstlerin. Dass es dabei häufig um Verlust und Tod geht, ist dem Porträtgenre immanent. Das Bild eines Menschen dient seiner Erinnerung. Wären wir nicht sterblich, wozu dann ein Porträt? (Text: Michaela Lindinger)