© Sven Serkis

Theater

Lesung: Stefanie Reinsperger

Showtimes

Stefanie Reinsperger liest aus „Manja“ von Anna Gmeyner und „Der ewige Spießer“ von Ödön von Horváth.

Anna Gmeyner und Ödön von Horváth verbindet der empathische Blick auf die vom Leben und der Gesellschaft zurückgelassenen Menschen. Beide erhoben die „kleinen Leute“ zu den Hauptfiguren ihrer Geschichten und Theaterstücke. Wie z.B. in Horváths „Der ewige Spießer“, wo die Näherin Anna Pollinger nach ihrer Entlassung „praktisch“ werden und ihren Lebensunterhalt als „Straßenmädchen“ verdienen muss. In „Manja“ erzählt Anna Gmeyner von einer Gruppe um ein jüdisches Mädchen, das mit Ressentiments und Zurückweisungen im aufkommenden National- sozialismus zu kämpfen hat. Gmeyners (1902–1991) und Horváths (1901–1938) Biografien durchziehen, trotz keiner dokumentierten Bekanntschaft, viele Parallelen: Beide maturierten in Wien, zogen später nach Berlin und flohen wegen der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Paris. Das zeitkritische Werk beider wurde in Deutschland verboten. Mit der Aufführung ihres Volksstücks „Automatenbüfett“ im Akademietheater im letzten Herbst wurde Anna Gmeyner aus der Vergessenheit geholt. Sie und Horváth zeichnen sich bis heute als scharfsichtige Chronisten ihrer Zeit aus, mit Texten voll Kraft, Witz und Poesie.

Die Ausnahmeschauspielerin Stefanie Reinsperger wird für ihre kraftvolle Bühnenpräsenz im gesamten deutschsprachigen Raum sowohl vom Publikum als auch von der Presse gefeiert. Ihre Engagements führten sie vom Burgtheater zum Wiener Volkstheater, von den Salzburger Festspielen zum Berliner Ensemble. Unter anderem spielte sie dort in Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“ die „Magd Grusche“, das als Gastspiel am Landestheater Niederösterreich zu sehen war. 2015 wurde sie vom Fachmagazin Theater Heute zur besten Schauspielerin gewählt. Neben dem Theater macht sie auch in Film und Fernsehen Karriere, u.a. als Tatort-Kommissarin.