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© Matthias Heschl

Theater

Rand

Showtimes

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»am rand tummeln sich allerlei gestalten. da fahren astronautinnen die ränder des universums ab – oder sind selbst der rand, der abgefahren, untersucht wird. expeditionen treffen auf unbekanntes leben: (tetrissteine! einhörner! projektionsflächen, wunschobjekte, paranoia), das andere: der rand des eigenen. was zusammenschweißt, grenzt auch gegen die anderen ab: oxytocin? kein ›wir‹ ohne ein ›die‹. gruppendynamiken: wer gehört an den rand, wer definiert welchen rand wo? wer ist wo die mitte? jederzeit kann etwas auftauchen, das passt nicht zum davor. am rand sitzen auch die zuschauerinnen und schauen zu. bitte nehmen sie sich doch eine waffe und machen sie es sich bequem! am rand ist man neben sich, da ist das unbewusste, das reinfunkt, oder die erzählung, die handlung.« (Miroslava Svolikova)

Vorstellungen vom Rand haben eine jahrtausendealte Tradition. Die Wiener Autorin Miroslava Svolikova spinnt diese weiter und verbindet archetypische, mythologische Referenzen mit Phänomenen der Populärkultur wie Actionfilme; ikonische Wesen wie Mickey Mouse, das letzte Einhorn, aber auch über ihr Schicksal sinnierende Tetrissteine treten auf.
In der Tradition absurder und symbolistischer Verfahrensweisen verschachtelt Svolikova virtuos Erzählräume und Fiktionsfragmente. In »Rand« entwirft sie einen Kosmos so skurril-düster wie die Filme von Buñuel, so surreal wie das berühmte Treppenhaus von M. C. Escher, in dem sich der Rand wölbt und eine erstaunte Mitte immer wieder aufs Neue über ebendiesen Rand quillt. Figuren irren umher wie Ausgestoßene aus dem Zentrum einer polarisierten Welt, einer nervösen Zeit. Horror und Hoffnung haben hier ihr Zuhause.

Miroslava Svolikova ist dem Schauspielhaus seit 2016 verbunden, als sie mit dem Entwurf »Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch was gesagt« das Hans-Gratzer-Stipendium gewann. Das Stück wurde 2017 zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin eingeladen und brachte sowohl Miroslava Svolikova als auch dem Regisseur Franz Xaver Mayr Nominierungen für den NESTROY-Preis ein. Ihr viertes Stück »Der Sprecher und die Souffleuse« wurde mit dem Autor*innenpreis der Österreichischen Theaterallianz ausgezeichnet. 2019 erhielt sie den Nachspielpreis des Heidelberger Stückemarkts.