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witzlsperger & skrepek: h. c. artmann - aus da dintn

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Kultursommer Wien. Ganz weit hinten in den Gehirnwindungen, dort wo das Gedächtnis Schimmel ansetzt, stecken sie noch: die Erinnerungen an mittelmäßige vulgo båcherne Resultate der „Jazz & Lyrik“-Episode der 70er Jahre. Ausnahme: Fritz Pauer mit Wolfgang Bauer und Hans Koller mit H. C. Artmann auf der LP Hirn mit Ei (droschl).

Jetzt reduzieren Vincenz Wizlsperger & Paul Skrepek opulente Versuche von damals aufs Minimum, reißen ganz im Sinn von H. C. Artmann das Fleisch von den Knochen – „nua ka schmoez ned, hob i gsogt“ – bis nur mehr das Gerüst übrigbleibt, das Skelett. Stimme, Schlagzeug, mehr nicht. Und halten so souverän die Balance aus Literatur und (improvisierter) Musik. Herauskommt Poesie, also das höchste der Gefühle!


Besser als aus da dintn wird’s nicht gehen. Perfekte Rezitation in Verbindung mit der so sachdienlichen wie fantasiebegabten Schlagzeugerei. Wizlsperger (wc) vermittelt die sprachliche Brillanz, Skrepek (pc) die perkussive in der Interpretation der bis heute unübertroffenen Dialektgedichte aus (hc) Artmanns med ana schwoazzn dintn aus dem Jahr 1958.


Neunzehnhundertachtundfünzig! Vielleicht wurde wahrscheinlich noch ganz sicher kein bewegenderes Liebesgedicht verfasst als „med an briaf fon mia zu dia“, dicht gefolgt von „waun e jemois“; kein genialeres Sittenbild als in „wo is den da greissla?“. Damit und mit weiteren Perlen nicht genug, kredenzen die zwei Kalksburger Kollegas einen Bonustrack als zusätzliches Geschenk des Hauses: François Villons „balade fon de glanechkeitn“, ins Wienerische übertragen von H. C. Artmann, der heuer übrigens seinen 100er feiern dadad.


Fazit: Diese Dichtungsmusik bzw. Musikdichtung, erschienen auf dem feinen Label des feinen Musikers Walther Soyka, ist weder zu kabarettistisch noch zu trocken. Sondern so subversiv wie möglich.