Sam Smith in Wien: Der Artist lieferte beim Konzert in der Stadthalle nicht nur musikalisches Talent, sondern auch eine extravagante Bühnenshow.

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Konzerte

Sam Smith in Wien: Pop-Teufelchen mit Engelsstimme

Love, Beauty, Sex: So hießen die drei Kapitel, die das Konzert von Sam Smith in Wien unterteilten. Es war ein opulenter Auftritt in drei Akten, der vor allem eines zeigte: Der Superstar scheint nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich angekommen zu sein.

Am Donnerstagabend bewies Smith, dass die Kombination von geballter Stimmgewalt und großer Bühnenshow nicht nur unterhaltsam, sondern auch berührend sein kann.

Cat Burns: Bodenständiges Stimmtalent

Als Voract in der Wiener Stadthalle gab es die britische Sängerin Cat Burns zu hören. Mit Liedern wie "Live and Love more", "People Pleaser" und "Go" sang die 22-Jährige über Herzschmerz, zerrüttete Freundschaften und dem Druck, es anderen immer recht machen zu müssen. "Es ist immer gruselig, wenn man der Voract ist", verriet Burns, die leger mit Hose und Shirt auf der Bühne stand. Sie überzeugte ohne jegliches Bühnenbild (welches zu dem Zeitpunkt noch mit einem weißen Leintuch bedeckt war) einzig mit ihrer beachtlichen Stimme und hinterließ damit einen Eindruck, der sich vermutlich in so manchen Spotify-Playlisten der Zuhörer:innen noch weiter abzeichnen wird.

Sam Smith in der "Unapologetic Era"

Der Star des Abends betrat schließlich gegen 20:45, in ein riesiges Cape gehüllt, die Bühne der Wiener Stadthalle. Sam Smith enthüllte gleich selbst die unter dem Leintuch verdeckte HIntergrundkulisse: eine goldene Männerstatue, die auf dem Boden lag, mit dem Hintern zum Publikum gewandt. Als Einstieg performte Smith gleich seinen Welthit "Stay With Me" in Piano-Begleitung. Und schillerte selbst in einem goldenen Outfit, inklusive goldenes Korsett und goldfarbene Plateau-Schuhe. Eines von vielen Stylings, die die Zuschauer:innen an diesem Abend zu sehen bekamen.

Smith überzeugte mit Smashern von seinen älteren Alben wie "Too Good At Goodbyes" (in Acoustic-Version mit Gitarre), "Like I Can" sowie neuen Tracks wie "I'm Not Here To Make Friends", "Lose You" und "Missing You". "Es ist so gut heute hier zu sein", erzählte der britische Superstar, der sich 2019 als non-binär outete, sprich sich keinem Geschlecht zugehörig fühlt. "Danke, dass ihr es für mich und meine Freund:innen möglich macht, dass wir herkommen und Musik machen können." Zuletzt war das musikalische Talent 2018 live in Wien zu hören.

"Diese Show handelt von Freiheit und davon, euch frei zu fühlen. Zieht eure Tops aus, wenn ihr wollt, seid nett, tanzt und seid fabelhaft", so der Star, der sich selbstbewusst und sexy wie nie zuvor zeigte. Sam Smith verkörperte nämlich eine "Unapologetic Era", die sich vor allem durch die Outfits des Abends auszeichnete. Mit kraftvoller Engelsstimme stand Smith für den Song "Lay Me Down" im lila Kleid und Kopfschmuck mit dem Aufdruck "Queer" auf der Bühne. Das Konzert sollte offensichtlich nicht nur musikalisch berühren, sondern auch klarmachen, dass Smith Themen wie Selbstliebe und -akzeptanz, Sexualität und vor allem die LGBTIQ-Community gezielt feiern wollte.

Gänsehautmomente gab es nicht nur bei Balladen wie "Perfect" oder "I'm Not The Only One", auch für Feel-Good-Vibes für die tanzende und tobende Menge war reichlich gesorgt. Vor allem beim Lied "Gimme" gibt Smith Vollgas, der Superstar tanzte und twerkte mit seinen Tänzer:innen und lachte immerzu ins Publikum. Für noch mehr Reize sorgten die beeindruckende Lichtshow sowie die Choreografien, die unter anderem beim Lied "Promises" äußerst sexy waren.

Pop-Teufelchen mit Engelsstimme 

Spätestens als Sam Smith das Top auszog und anschließend in String sowie Nippelstickern auf der Bühne stand, konnten sich die Fans kaum mehr halten. Der Musik-Star stimmte Madonnas Hit "Human Nature" an und zeigte sich dabei von einer gekonnt provokanten Seite.

Der Höhepunkt des letzten Teil des Abends, der den vielversprechenden Titel "Sex" hatte (nomen est omen!), war die Performance von "Unholy": Smith stand in hohen Lederboots, schwarzen Korsett mit Golddetails und einem roten Dreizack sowie Hörnern auf der riesigen Statue vor dem Publikum. Zwischen den brennenden Elementen auf der Bühne beendete Sam Smith den Abend mit einem einen musikalischen Orgasmus. Der war jedoch ein kurzes Vergnügen, denn mehr gab es für die Zuschauer:innen danach leider nicht mehr. Nach rund 85 Minuten verschwand das Pop-Teufelchen mit Engelsstimme wie eine Rauchwolke aus der Wiener Stadthalle – ohne Zugabe.

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