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Musicals Österreich

Pyrotechnik & Liebe: So pompös ist die Inszenierung von "Miss Saigon"

Von wegen “Warten auf Godot” – die heimischen Musical-Fans warten sehnsüchtig auf den Start von “Miss Saigon”. Vor fast genau einem Jahr, nämlich am 28. Jänner 2021, hätte die Hit-Produktion Premiere im renovierten Raimund Theater feiern sollen. Doch Pandemie-bedingt folgte eine Verschiebung nach der nächsten. Verständlich, aber durchaus strapaziös – fürs Team sowie das Publikum.

Nun ist es aber wirklich soweit: Am 23. Jänner 2022 ist die Gala-Premiere des Musicals geplant. Und bei der Wiener Inszenierung von “Miss Saigon” ist pompös tatsächlich das einzige passende Adjektiv, um die Produktion zu beschreiben. Denn Regisseur Jean Pierre Van der Spuy scheut nicht vor Pyrotechnik und einer ganzen Menge Akrobatik zurück.

Handverlesenes Ensemble in Wien

Obwohl die Bühnenbilder teils recht zurückhaltend wirken, sind sie durchaus detailverliebt und eindrucksvoll. Der Fokus liegt damit außerdem ganz klar auf der Leistung des Casts. 43 Rollen waren zu besetzen, so VBW-Musical-Intendant Christian Struppeck bei der offiziellen Medienprobe. 1.800 Bewerbungen seien eingelangt, sodass die Vorsprechen mehrere Monate lang gedauert hatten. Schließlich sei man aber auf das perfekte Ensemble für Wien gekommen.

Erfreulich ist dabei, dass die Hauptfigur Kim mit einer Musical-Newcomerin, Vanessa Heinz, besetzt wurde. Weitere große Rollen belegen Oedo Kuipers (u. a. bekannt durch “MOZART!”), Gino Emnes (u. a. bekannt durch “Jesus Christ Superstar”) sowie Christian Rey Marbella, der in Wien Premiere feiert, aber schon bei der globalen Produktion des Musicals mitgewirkt hat.

Der Engineer (Christian Rey Marbella) schwärmt vom amerikanischen Traum.

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Catchy Tunes ...

Die Szenen mit Marbella, der als Engineer auftritt, zählen mit Sicherheit zu den großen Highlights der Show. Mit seiner expressiven und extravagante Art, zieht er das Publikum in seinen Bann und macht so den Song “The American Dream” augenblicklich zum Ohrwurm. Sowieso ist die Musik von Claude-Michel Schönberg sehr eingängig, ohne zu kitschig zu wirken.

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... zu dramatischen Szenen

Das wäre wohl auch nicht angebracht, schließlich ist “Miss Saigon” eines der wenigen Hit-Musicals, das auf wahren Begebenheiten basiert. Dabei mag die dramatische Liebesgeschichte der jungen Vietnamesin Kim und des amerikanischen GIs Chris zwar frei erfunden sein. Aber die zeitgeschichtliche Verordnung im ostasiatischen Raum der späten 1970er Jahre stimmt. Kim und Chris treffen 1975 aufeinander, in den letzten Wochen des Vietnamkriegs. Sie verlieben sich sofort ineinander, doch werden sie aufgrund der nahenden Truppen der Vietcongs voneinander getrennt.

Ob den beiden ein Happy End vergönnt ist? Das wollen wir hier gar nicht vorwegnehmen. Das Publikum sollte sich jedenfalls auf eine geballte Ladung Drama, Action und natürlich Liebe vorbereiten. 

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