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© Pamela Russmann

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Schluss mit der Neo-Gemütlichkeit. Christian Fuchs und David Pfister haben als Mitglieder der inzwischen aufgelösten Brachial-Wienerlied-Kapelle „Neigungsgruppe Sex, Gewalt & Gute Laune“ die aktuelle österreichische Dialektpop-Welle maßgeblich geprägt.

Die Buben im Pelz haben einen Huscher. In einer Zeit, in der Bands aus ökonomischen Gründen oft zu Duos zusammenschrumpfen, mutieren sie zur Sechserformation. In einer Pop-Gegenwart, die den Rock‘n‘Roll für tot erklärt, setzen sie auf schroffe Gitarren. Mehr noch, sie lassen ihrer Liebe für die Einstürzenden Neubauten freien Lauf. Und reisen im Herbst 2019 kollektiv nach Berlin, um mit Alexander Hacke an ihrem neuen Album zu arbeiten. Der Neubauten-Bassisten wiederum zeigt sich vom dunklen Wiener Schmäh der Band begeistert. “Geisterbahn” kristallisiert sich als Albumtitel heraus.
Ebenfalls maßgeblich involviert ist der Wiener Produzent Alexander Lausch. Und so gelingt es den Buben Im Pelz eine Brücke zu schlagen zwischen der melancholischen Tristesse, die beide Städte verbindet. Überhaupt, Berlin. Während die Buben auf ihrem gefeierten Debütalbum den Velvet Underground Spirit der late Sixties ins Wien des Hier und Jetzt beamten, spürt man auf “Geisterbahn” stellenweise den Geist der Früh-80er Mauerstadt. Aber nur als Ahnung. Als kühlen Windstoß. Naheliegende Retrosounds bekommt man von der Band rund um die singenden FM4-Moderatoren David Pfister und Christian Fuchs nicht.

Die Buben im Pelz haben nämlich auch musikalisch einen Dachschaden. Ihre Außenseiter-Hymnen verschmelzen Postpunk und Wienerlied, Rock‘n‘Roll und Chanson, Todtraurigkeit und Humor. Und dann ist da eine Widerstandsgeste, die schon auf dem Vorgängerwerk “Katzenfestung” aufflackerte. Spätestens beim Pfister‘schen Einwienern des Protestsongklassikers “Macht kaputt, was euch kaputt macht” der Ton Steine Scherben brennen Autowracks in den Ruinen von Wedding-Meidling. Das Partisanenlied “Bella Ciao” wird von den Buben ebenso an die Wiener Donau verpflanzt.

Grantiges Aufbegehren ist auch Thema in den Texten von Christian Fuchs. Etwa im Titellied “Geisterbahn”, das die Gegenwart als Rummelplatz politisch verirrter Seelen beschreibt. Während in der melancholischen Ballade “Kodachrom” nur die Flucht in Vintage-Fantasien bleibt. Stimmungsbilder, die perfekt zur apokalyptischen Gegenwart passen, auch wenn die Stücke knapp davor entstanden.

Dazu drischt Gernot Scheitbauer elegant in die Drums, lässt Markus Reiter die Gitarre klirren, schwingt Christof Baumgartner den Bass, hämmert Bernd Supper in seine Keyboards. Man darf angesichts der Bands, in der diese Musiker spielen und spielten – von Fetish 69, Bunny Lake, der Neigungsgruppe Sex, Gewalt & gute Laune bis Scarabeusdream, Liger und Destroyed, but not Defeated – durchaus von einer österreichischen Indie-Allstarband sprechen.