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Theater Österreich

Zwischen Bühne und Leinwand: Theatermacher Paulus Manker wird 65

Für die einen ist er ein Genie, für die anderen ein grantiger Bürgerschreck: Theatermacher Paulus Manker lässt die wenigsten Menschen kalt. Der Schauspieler und Regisseur sorgt nicht nur mit seinen epochalen Inszenierungen wie Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit" für Schlagzeilen, sondern auch mit teils eigenwilligem Verhalten. Aus der heimischen Theaterszene ist er jedenfalls nicht wegzudenken. Am Mittwoch (25. Jänner) wird Manker 65 Jahre alt.

Leben mit Tops und Flops

Als Sohn des Regisseurs und Theaterdirektors Gustav Manker, dem er 2010 eine "Spurensuche" in Buchform widmete, und der 2017 verstorbenen Schauspielerin Hilde Sochor war Paulus Manker, der am 25. Jänner 1958 geboren wurde, die Theatralik wohl buchstäblich in die Wiege gelegt. Der Hochbegabte, der als Sechsjähriger als ersten Berufswunsch "Raubmörder" angegeben haben soll und noch als 30-Jähriger bisweilen "der kleine Manker" genannt wurde, studierte am Max-Reinhardt-Seminar und agierte bald in den Zentren des Bühnengeschehens: Er spielte in Hans Hollmanns legendärer Wiener-Festwochen-Inszenierung von "Die letzten Tage der Menschheit" sowie am Burgtheater, in Frankfurt, Hamburg und München.

Mit dem verehrten Regisseur Peter Zadek, für den er laut eigener Aussage auch eine Küchenschabe gespielt hätte, arbeitete er immer wieder zusammen, u.a. in den Aufsehen erregenden Inszenierungen von "Lulu", "Der Kaufmann von Venedig", "Hamlet" oder "Der Jude von Malta", aber auch an spektakulären Flops wie "Alice im Wunderland" und "Richard III.". Letztere Aufführung, bei der Wiener-Festwochen-Premiere zerrissen und an den Münchner Kammerspielen ein Publikumserfolg, führte 1997 zu nicht nur medial, sondern auch auf offener Bühne ausgetragenen Zwistigkeiten zwischen Hauptdarsteller Manker und dem Ensemble des Theaters, das er "bis auf die Knochen verrottet" nannte.

Auch mit dem israelischen Autor Joshua Sobol verbindet Manker eine langjährige Zusammenarbeit: 1986 spielte er erstmals in Sobols Stück "Weiningers Nacht", mit dem er zwei Jahre später am Wiener Volkstheater mit sich selbst in der Hauptrolle sein Regiedebüt gab und das er auch verfilmte. 1995 inszenierte er in Wien das von Sobol und Niklas Frank geschriebene Stück "Der Vater" bei den Wiener Festwochen. Im Jahr darauf hatte Sobols "Alma - A Show Biz ans Ende" Premiere - ein fulminanter Erfolg, der von Manker verfilmt wurde, bis 2001 in Purkersdorf 140 ausverkaufte Vorstellungen erlebte und auf Tournee an ausgewählten Schauplätzen bereits in Venedig, Lissabon, Los Angeles, Petronell, Berlin, Jerusalem oder am Semmering gastierte. 2003 brachte Manker am Cameri-Theater in Tel Aviv "iWitness", Sobols Drama um den Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter, heraus.

Von der Bühne auf den Bildschirm

Mankers Burgtheater-Inszenierungen von "Liliom" (1993) und der "Dreigroschenoper (1996) wurden Publikumserfolge, mit "[email protected] - A Cyber Show" versuchte er sich 2000 im Wiener Ronacher auch am Musiktheater. Seinen ersten Filmauftritt hatte der prägnante Darsteller im Haneke-Streifen "Lemminge" (1979) - weitere Filme mit Haneke folgten. Sein erster als Regisseur gedrehter Film, "Schmutz", erlebte 1985 seine Uraufführung in Cannes. Sein stark unterschätzter, 1995 uraufgeführter Film "Der Kopf des Mohren" mit Angela Winkler und Gert Voss über den in einem normalen Menschen langsam ausbrechenden Wahnsinn arbeitete mit eindrucksvoller, suggestiver Bildsprache und schien auch Mankers eigenen Grenzgang zwischen "Triumph oder Terror, Größe oder Wahn" ("Falter") auszudrücken.

2006 schlüpfte Manker, der mit markanter hoher Stirn, langen Haaren und Stoppelbart gern als personifizierter Bürgerschreck auftritt und auch Wirte gelegentlich das Fürchten lehrt, in Michael Glawoggers "Slumming" in der Rolle eines Obdachlosen, der von zwei Burschen aus Jux im Schlaf von Wien in den Osten transportiert und dort ausgesetzt wird. In Elisabeth Scharangs Unterweger-Film "Jack" war er als Gefängnispsychologe zu sehen, vergangenen Herbst gab er in Thomas Roths Thriller "Schächten" einen ehemaligen Nazioffizier. 2013 setzte er an der Theaterfront im K&K Post- und Telegrafenamt mit "Wagnerdämmerung" ein kraftvolles Zeichen anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten, 2018 folgte Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit" als effektvolles Antikriegsspektakel in der Serbenhalle in Wiener Neustadt, das er im Jahr darauf um neue Figuren und Szenen erweiterte.

Zerwürfnisse und Theatervisionen

Zu dieser zwischen "Nervenschauspieler" und "Berserker" pendelnden künstlerischen Biografie, die um zahlreiche angekündigte, doch nie realisierte Ideen und um von prominenten Unterstützungserklärungen begleitete Überlegungen für eine Volkstheater-Direktion erweiterbar wäre, gesellen sich eine Reihe von Ereignissen, die medial mehr auf den Chronikseiten ihren Niederschlag fanden. Bei heftigen Szenen von "Alma" gab es in der Hitze des Gefechts so manche Verletzung im Ensemble, und auch Zuschauer waren nicht immer vor Mankers Zugriff sicher. Eigentlich sei er ein "herzensguter, zärtlicher, liebenswerter Mensch, der Traum jeder Schwiegermutter", versicherte er einmal. "Aber man soll sich nicht vornehmen, mich zu reizen."

2016 musste sich Manker vor Gericht gegen Vorwürfe der unbefugten Inbetriebnahme einer Lok, Sachbeschädigung und Körperverletzung verantworten, wurde am Ende aber freigesprochen. Davor hatte das Land Niederösterreich aufgrund der Vorwürfe sogar eine geplante Ehrung (einen Tourismuspreis) abgesagt. Mit seinem Mäzen, dem Großgärtner Christian Blazek, gab es einen Zivilprozess. Auch mit Kollegen scheint es nicht immer einfach zu sein: 2017 wurde Manker einen Tag vor der Premiere bei den Bad Hersfelder Festspielen hinausgeworfen, nachdem es bei der Probenkritik zu einem "irreparablen Zerwürfnis" mit dem Intendanten Dieter Wedel gekommen war.

Seine großen Theatervisionen auf der anderen Seite wird man schon bald wieder bewundern können: Ab 23. Juni ist Mankers Dauerbrenner "Alma" im jüngst renovierte Südbahnhotel am Semmering zu erleben.

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