© Gerhard Maurer

Was ist los in Kärnten

Domenig-Ausstellung an vier Orten in Kärnten

Ein groß angelegtes Ausstellungsprojekt soll rund um seinen 10. Todestag am 15. Juni an den Baukünstler Günther Domenig erinnern. "Wir werden an vier unterschiedlichen Ausstellungsorten vier unterschiedliche Dimensionen von ihm eröffnen", kündigte Raffaela Lackner, Leiterin des Architektur Hauses Kärnten, am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien an. "Günther Domenig war Architekt, Künstler und Visionär", betonte der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ).

Das umfangreiche Programm, das am 10. und 11. Juni eröffnet wird und dann von 12. Juni bis 16. Oktober läuft, wurde in dem von Domenig 1975 bis 1979 errichteten ehemaligen Zentralsparkassen-Gebäude in Wien-Favoriten vorgestellt, für Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) "ein Architekturjuwel", das vorübergehenden Passanten deutlich signalisiere: "He, passt auf! Hier findet Architektur statt!" Mitorganisator Andreas Krištof (section.a) erinnerte an die "lange und traurige Geschichte" des unter Denkmalschutz stehenden Baus nach Auszug der Bank und freute sich, dass es durch den Einzug des Gastronomielokals Kent "nun wieder erstrahlen darf".

Ein weiterer lange leer stehender prominenter Domenig-Bau wird extra für die "Günther Domenig: Dimensional" genannte "erste umfassende Retrospektive" des vielseitigen Architekten wieder reaktiviert und "wachgeküsst": Die Heft in Hüttenberg, 1995 als Schauplatz der Landesausstellung errichtet, war seither lange ungenutzt geblieben und wurde von der Natur mittlerweile teilweise wieder zurückerobert. Es habe immer wieder Nachnutzungsgespräche gegeben, die aber nicht gefruchtet hätten, sagte Kaiser. Nun habe man 100.000 Euro investiert, um den Schauplatz wieder nutzbar zu machen. Durch von Valerie Messini kuratierte künstlerische Interventionen und Arbeiten von Studierenden wird das Gebäude dem Publikum wieder zugänglich gemacht. Die Natur solle nicht wieder nahtlos übernehmen, versicherte der Landeshauptmann: "Wir wollen wieder Gespräche führen, müssen aber gut überlegen, wie wir nachhaltige Nutzung zustande bringen. Ich bin aber überzeugt, dass sich durch diese vier Monate weiteres ergeben wird."

Die beiden Hauptteile von "Dimensional" (Untertitel: "Von Gebäuden und Gebilden") finden in Klagenfurt statt: Im Museum Moderner Kunst Kärnten (MMKK) reflektieren die Kuratoren von section.a gemeinsam mit Direktorin Christine Wetzlinger-Grundnig das Verhältnis von Architektur und Kunst. Im Architektur Haus Kärnten stellt Leiterin Lackner gemeinsam mit section.a das architektonische Schaffen Domenigs (1934-2012) "in einen Dialog mit den nachfolgenden Generationen von Architekten und Architektinnen". In beiden Fällen spielen Architekturfotos eine wesentliche Rolle. In Domenigs Steinhaus in Steindorf am Ossiacher See, wo man die Reihe am 10. Juni mit Doris Uhlichs "Habitat" eröffnet, wird in Kooperation mit dem Tanzquartier Wien (TQW) eine Performancereihe ausgerichtet.

Die Ausstellung wird auch von zwei Publikationen (eine erscheint davor, eine danach) begleitet. "Es ist ein riesiges Projekt für uns", versicherte Lackner. Es werde auch in Wien und Graz Führungen und Vorträge geben, "wir wollen unsere Fühler auch nach anderen Bundesländern ausstrecken". Im September ist überdies ein großes Domenig-Forum im Steinhaus mit prominenten Vortragenden geplant. "Wir hoffen, dass Günther Domenig nicht vergessen wird." Vergessen werde bei den Veranstaltungen auch nicht auf Domenigs politisches Engagement (so gestaltete er u.a. die Erinnerungsstätten auf den NS-Parteitagsgelände in Nürnberg), sagte Krištof, und vergessen solle man auch nicht das vielfältige Engagement Kärntens in Sachen Architektur, meinte Staatssekretärin Mayer: "Kärnten hat als erstes Bundesland die baukulturellen Leitlinien des Bundes umgesetzt." - "Wir hoffen, dass sich viele Bundesländer dem anschließen werden", ergänzte Kaiser.

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