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Was ist los in Oberösterreich

Faschingsumzug: "Fetzen" ziehen wieder durch Ebensee

Mit dem Fetzenzug am heutigen Rosenmontag bis zum Fetzenverbrennen am Aschermittwoch erreicht der Fasching in Ebensee seinen Höhepunkt. Sorgte im Vorjahr - ohne offiziellen Umzug oder Faschingstreiben - noch ein Corona-Peak nach dem Hochfasching für Aufsehen, dürfte die Aufmerksamkeit heuer wieder allein den "Fetzen" gehören. So nennen sich die in alte, mit Lumpen benähte Frauengewänder gekleideten Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dem Umzug.

Zerlumpte Kleider beim Fetzenzug

Seit 1900 ist der "Fetzenfasching" historisch dokumentiert, 2011 wurde er in das nationale Verzeichnis für das immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen. Für die Fetzenkostüme gebe es zwei verschiedene Erklärungen, ließ die Saline Ebensee in einer Presseaussendung wissen. Eine sei, dass die Ebenseer einen prächtigen Umzug wie in den Nachbargemeinden veranstalten wollten. Der armen Salinen-Bevölkerung fehlte aber das Geld für teure Kostüme, also drehten sie den Spieß um und erschienen in alten, zerlumpten Kleidern. Nach wie vor nehmen viele Beschäftigte der Saline, auch "Pfannhauser" genannt, am Fetzenzug teil. Mit Fistelstimme und gut unter der Maske versteckt, sagen die "Fetzen" ihren Mitmenschen beim "Austadeln" die ungeschminkte Wahrheit ins Gesicht.

Die andere Herleitung gehe auf die Sommerfrische zurück, als adelige Familien zur Sole-Kur und mit ihnen Kurtisanen aus der Großstadt ins Salzkammergut reisten. Mit den Fetzenkostümen und zerschnittenen Schirmen parodierten die Einheimischen den glamourösen Auftritt der Damen aus der Stadt.

Zahlreiche Zuseher:innen erwartet

Die Wurzeln des Ebenseer Faschings dürften im Gebiet um Bad Aussee zu suchen sein. Schon im Jahre 1604, als die Saline Ebensee gegründet wurde, holte man Facharbeiter aus Aussee in die Traunseegemeinde, die auch den Fasching mitbrachten. Im Laufe der Jahre hat sich der Fasching zu seiner heutigen Form weiterentwickelt und war so stark verwurzelt, dass es 1733 sogar zur „Faschingdienstagrevolte“ kam, als die Salinenverwaltung den bis dahin freien Faschingdienstagnachmittag abschaffen wollte. 

Man wollte lieber streiken und einen offenen Konflikt mit den Vorgesetzten in Kauf nehmen, als auf den Fasching zu verzichten. Kein Wunder also, dass sich die Veranstaltung auch jetzt noch großer Beliebtheit erfreut, jedes Jahr werden Tausende Zuseher:innen erwartet.

Das genau Programm 2024 gibt es hier im Überblick.

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