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© Wesley Pribadi / unsplash.com

Theater Österreich

Diese Theater-Premieren solltest du im Oktober nicht verpassen

Normalerweise sollte es ja andersrum sein, doch die Pandemie hat so einiges verändert: Auf die Wiener Festwochen folgt nämlich das Donaufestival in Krems – und nicht umgekehrt. Dabei bewegen wir uns schon in Richtung Jahresende und nicht Richtung Sommer … Auch inhaltlich ist der Einfluss der Coronakrise deutlich in den österreichischen Theatern spürbar. Es geht um Selbstfindung, gesellschaftliches Zusammenleben und Emanzipation. Gleichzeitig werden Bühnenklassiker neu beleuchtet und inszeniert. Heuer birgt der Herbst die Zeit der Erneuerung und Innovation!

Festival

An den ersten beiden Oktoberwochenenden gibt es in Krems Vielfältiges zwischen Performance, Musik und Kunst zu erleben. Viel klassisches Theater ist naturgemäß nicht dabei. In ihrer Uraufführung "linger on" lässt Lisa Hinterreither am 1. Oktober immerhin Licht, Nebel, Klang und vier Performer aufeinandertreffen.

Tanz-Performances

Viel Performance steht auch auf dem Oktober-Programm des Tanzquartiers Wien. In den Ring steigen u.a. die beiden Nestroy-Preisträgerinnen Doris Uhlich und Florentina Holzinger. In Uhlichs "Gootopia" (ab 15.) geht es um Schleim, in "A Divine Comedy" (ab 22.10.) wirft Holzinger in der Halle E des Museumsquartiers mehr als 20 Performerinnen sowie motorisierte Gefährte in die Schlacht, die als "Reise der Selbstfindung" beschrieben wird.

Sprechtheater

Burgtheater

Bei der Ruhrtriennale hatte Barbara Freys Schauspielkreation zu Edgar Allan Poes "Der Untergang des Hauses Usher" Premiere. Ab 10. Oktober ist diese "mehrsprachige und musikalische Reise in den Gedankenkosmos des großen amerikanischen Katastrophen-Chronisten" beim Koproduktionspartner Burgtheater zu sehen. 
Mit Lucy Kirkwoods "Himmelszelt" hatte das Burgtheater im Vorjahr großen Erfolg, ab 23. kommt nun ihr Familiendrama "Moskitos" ins Akademietheater. Es inszeniert Itay Tiran.

Stanislawski soll einst eine Probe zu Nikolai Erdmans "Selbstmörder" (1928) wegen eines Lachkrampfes abgebrochen haben. Nun inszeniert das Regie-Duo Peter Jordan und Leonhard Koppelmann diese Komödie um einen angekündigten Selbstmord mit Kapazundern von Florian Teichtmeister bis Maria Happel. Premiere ist am 29. im Burgtheater. 

Für "Die Stadt der Affen" (Premiere: 30.10. im Kasino) arbeitet die belgische Regisseurin Lies Pauwels, eine Spezialistin für Inszenierungen mit Laien und gemischten Ensembles, erstmals am Burgtheater. Zehn gehörlose Jugendliche begeben sich mit Ensemblemitgliedern "auf eine Reise durch jene kommunikativen Sphären, die Mensch und Tier vermeintlich unterscheiden", heißt es in der Ankündigung. "Sie erforschen, was passiert, wenn auf der Theaterbühne das Sprechen keine herausgehobene Bedeutung hat."

Theater in der Josefstadt

Auch am Theater in der Josefstadt werden weitere Produktionen, die in der Lockdown-Zeit probiert wurden, abgerufen. "House of cards"-Autor Beau Willimon führt in "The Parisian Woman" vor, wie politische Intrige geht. Michael Gampe hat die Deutschsprachige Erstaufführung (2.10., Kammerspiele) mit Maria Köstlinger, Herbert Föttinger, Michael Dangl und anderen inszeniert. 

Am 7. startet eine neue Spielserie der berühmten Bernhard-Dramolette "Claus Peymann kauft sich eine Hose..." mit Claus Peymann, Hermann Beil und Maria Happel. 

Am 16. betritt Johannes Krisch endlich als "Der Bockerer" die Josefstadt-Bühne (Stephan Müller inszeniert den Klassiker von Ulrich Becher und Peter Preses).

Und auch die Theaterfassung der italienischen Filmkomödie "Das perfekte Geheimnis" in der Regie von Folke Braband feiert am 23. in den Kammerspielen ihre deutschsprachige Erstaufführung.

Volkstheater

Das Volkstheater Wien beginnt im Oktober die Bespielung seiner "Dunkelkammer". Direktor Kay Voges inszeniert den ersten Teil von Lydia Haiders mehrteiliger "Zertretung". "Es wird unerhörtes Theater: Dornen, Kreuze, Schweiß, Blut, Speichel, Exkremente in einem goldenen Raum der endlos veränderlichen, wandelbaren Dinge und Körper", kündigt das Haus für die Premiere am 14. an. 

Am 20. folgt dort Calle Fuhrs "Encore" - "ein Versuch, diesem Chaos in uns und um uns herum zu begegnen. Basierend auf den Texten der Web-Serie von Calle Fuhr versuchen wir uns an einem Panorama der letzten achtzehn Monate. Es ist eine Vorstellung ohne Anfang, ohne Mitte und ohne Ende, sondern eine reine Zugabe - für alle. Denn wenn wir alle auf der vierten Welle surfen müssen, dann ist 'Encore' wenigstens die dazugehörige Beachparty am Strand." 

Am 30. startet die lange verschobene Abschiedsrunde der langährigen "Theater in den Bezirken"-Chefin Doris Weiner: In "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" steht sie in der Inszenierung von Andy Hallwaxx an der Seite von Alexander Jagsch noch einmal selbst auf der Bühne.

Weitere Premieren in Wien

Während das Schauspielhaus Wien ab Oktober für die kommenden fünf Monate ganz neue Wege geht und zum "Schauspielhaus Hotel" wird (wobei das Wort "Schauspielhaus" durchgestrichen ist), geht es anderswo vergleichsweise konventioneller zu.

Im TAG, dem Theater an der Gumpendorfer Straße, gibt man ab 2. Oktober "Ödipus" als Kriminalkomödie. Das Bearbeiter- und Regie-Duo Kaja Dymnicki und Alexander Pschill zeigt dabei Ödipus als Partycrasher. 

Die Saisoneröffnung im brut nordwest bestreiten am 1. die Gruppe toxic dreams mit der Premiere "The Art of Asking your Boss for a Raise", ein auf dem gleichnamigen Roman von Georges Perec fußender absurder Trip durch eine anonyme Konzernwelt. 

Ab 6. präsentiert Katharina Straßer im Rabenhof unter dem Titel "Keine Angst" aufgrund der pandemiebedingten Verschiebung um ein Jahr "50+1 Jahre Austropop" in einer "schrägen, sehr persönlichen Tribute-Show". 

Im Kosmos Theater wirft man ab 12. in einer Koproduktion mit Variante Vierundvierzig und ARGEkultur Salzburg einen Blick hinter die blickdichten Zäune und Hecken des "Kleingartenverein Zukunft" - "Rasenmäherballett und Grillen inklusive". 

Im Werk X folgt nach einigen Wiederaufnahmen am 29. die Premiere der Dramatisierung des John Steinbeck-Romans "Früchte des Zorns" in der Regie von Harald Posch.

Und auch eine Jelinek-Premiere hat der Monat Oktober zu bieten: Am Grazer Schauspielhaus inszeniert Franz-Xaver Mayr "Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)", einen fulminanten Streifzug durch die Welt der Mode, vorbei an "schönen Oberflächen und hässlichen Kehrseiten". Premiere ist am 1., knapp drei Wochen vor dem 75. Geburtstag der Nobelpreisträgerin.

Oper

Opernfreunde und - freundinnen dürfen sich u.a. auf "Peter Grimes" in der Regie von Christof Loy am 16. im Theater an der Wien und auf Josef E. Köpplingers "Rosenkavalier"-Inszenierung am 31. an der Volksoper Wien freuen.

Die Oper Graz lockt am 2. mit Verdis "Die Macht des Schicksals", das Salzburger Landestheater am 30. mit Verdis "Macbeth" in der Felsenreitschule und das Landestheater Tirol am 23. mit der "Zauberflöte" in einer Inszenierung von Regie-Debütant Gregor Bloeb. 

"Die Entführung ins Zauberreich" ist dagegen eine von Nina Blum inszenierte Kinder-Wanderoper durch das Gebäude der Wiener Staatsoper zu Musik von Wolfgang Amadeus Mozart (ab 3.). 

In der vom Theater an der Wien bespielten Kammeroper warten Neuproduktionen von Glucks "Orphée et Eurydice" (2.) und Peter Maxwell Davies' "The Lighthouse" (28.). 

Ebenfalls gleich zwei Premieren bietet die Neue Oper Wien im Oktober: Am 7. kommt Brittens "Death in Venice" in der Halle E des Museumsquartier heraus, am 29. die ursprünglich für das Frühjahr geplante Österreichische Erstaufführung von Wolfgang Rihms "Proserpina" im Theater Akzent.

 

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