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Theater Wien

Musiktheatertage Wien zwischen "Chornobyldorf" und "Kunstschnee"

Eine dystopische Oper aus der Ukraine eröffnet am 14. September die Musiktheatertage Wien. Die Oper "Chornobyldorf" von Roman Grygoriv und Illia Razumeiko zeigt Nachkommen einer Menschheit, die eine Serie von Katastrophen überlebt haben, und die zwischen den Ruinen von Reaktoren, Theatern, Kirchen und Galerien umherirren.

Zwei Wochen lang sollen im Rahmen des Festivals im Wiener WUK "neueste Werke des Musiktheaters aus Europa und darüber hinaus" gezeigt werden.

Zehn verschiedene Produktionen

Vor der ersten Premiere steuert Georg Nussbaumer einen "szenisch-akustischen Vorgang mit Opernsängerin und acht Lautsprechern" mit dem Titel "Walküre, den Felsen herabsteigend" zur Eröffnung bei. Gleich auf vier Jahre ist die Serie "Kollapsologie" von Thomas Cornelius Desi, gemeinsam mit Georg Steker künstlerischer Leiter der 2015 gegründeten Musiktheatertage, angelegt. Der erste Teil, "Kunstschnee" (Premiere: 22. September), ist als Musiktheater mit Publikumsaktion angekündigt. Der zweite Teil soll 2023 u.a. eine "kollektiv gestaltete Rekonstruktion des Überfalls auf die OPEC in Wien im Jahr 1975" bieten.

Unter den insgesamt zehn Produktionen (u.a. aus Belgien, China, Dänemark, Russland und Ungarn) befinden sich auch das von Widerstand und Solidarität handelnde Musiktheater "Mitra" der österreichischen Komponistin Eva Reiter und des belgischen Filmregisseurs Jorge León, eine dokumentarische "Geiseloper" über einen Entführungsfall der 1970er-Jahre in Ungarn oder die Produktion "Im weißen Rössl am Central Park", in der Kultur- und Migrationsgeschichte aufgearbeitet wird.

Gesellschaftspoltik als interaktives Theater

Bei der "Outdoor-Zero-Emission-Fahrrad-Oper R¡NGD!NG" besucht das Publikum mit dem Fahrrad fünf Stationen, an denen Musik aus Opern von Mozart, Puccini, Wagner oder Rossini und Strauss völlig a capella gesungen wird - mit ganz neuen Texten, die mittels App am Smartphone auf Deutsch und Englisch quasi als Untertitel mitgelesen werden können. So erzählt etwa eine tunesische Fahrradbotin zur Musik aus dem "Rosenkavalier", wie sie in Wien Notrufe von Flüchtlingsbooten aus dem Mittelmeer erhält und die Seerettung alarmiert.

Der Pianist Marino Formenti wird während des Festivals alle Projekte "mit Notenpapier und Aufnahmegerät durchreisen" und das Resultat zum Festival-Abschluss am 24. September in einer mehrstündigen Klavierperformance präsentieren.

Tickets für die Musiktheatertage gibt es hier.

WUK

Währinger Straße 59, 1090 Wien

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